Dreieich - (klg) Die Personaldecke der Dreieicher Feuerwehren wird zunehmend dünner. Waren es im Jahr 2007 noch 216 Einsatzkräfte, die den fünf Stadtteilwehren zur Verfügung standen, ist die Zahl im vergangenen Jahr auf 205 gesunken.
Für Stadtbrandinspektor Andreas Baumbusch eine besorgniserregende Angelegenheit: „Wenn wir in Zukunft nichts in Sachen Mitgliederwerbung tun, kann das System ganz schnell ins Wanken geraten.“ Baumbusch äußerte diese Befürchtung im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Dreieicher Feuerwehren.
Baumbusch regte an, dass die Stadt bei Einstellungen jedem neuen Mitarbeiter nahe legt, Mitglied bei der Feuerwehr zu werden - nicht als zwingende Voraussetzung für eine Anstellung, wohl aber als eine Form des ganz sanften Drucks.
Bürgermeister Dieter Zimmer unterstützt die Idee, meinte aber, man könne aus rechtlichen Gründen eine Anstellung bei der Stadt nicht abhängig machen vom Engagement bei der Feuerwehr. Allerdings: „Bei gleicher Qualifikation bevorzugen wir solche Bewerber, die der Feuerwehr schon angehören.“ Das ist erst jüngst geschehen
Zwar habe man, so Stadtbrandinspektor Andreas Baumbusch, in Dreieich gegenüber anderen Wehren noch den Vorteil, im Notfall auf die eigenen Stadtteil-Feuerwehren zurückgreifen zu können, die sich bei Bedarf gegenseitig bestens unterstützten. Doch so langsam komme die Zeit, „wo man sich auch noch auf anderen Ebenen Gedanken machen müsste und sollte. Nicht nur die Feuerwehren, auch die Politik beziehungsweise die Stadt ist gefordert. Es kann nicht sein, dass alles von den Freiwilligen ausgehen soll. Denn die sind so schon mit ihren Aufgaben und Verpflichtungen an der Leistungsgrenze angekommen.“
Die 205 aktiven Einsatzkräfte teilen sich laut Baumbusch wie folgt auf die fünf Stadtteilwehren auf (in Klammern die Zahl der weiblichen Einsatzkräfte): Buchschlag 19 (1), Dreieichenhain 42 (6), Götzenhain 43 (1), Offenthal 48 (4) und Sprendlingen 53 (6).
Nach 869 Einsätzen im Jahr 2007 - viele durch Unwetter bedingt - hatten die Wehren im vergangenen Jahr 472 Einsätze abzuarbeiten - für eine Freiwillige Feuerwehr immer noch sehr viel. Die Einsätze teilen sich auf in 77 Brände, 288 Hilfeleistungen und 107 Fehlalarme (einschließlich der automatisch von Brandmeldeanlagen ausgelösten).
Obwohl jeder Einsatz eine nicht zu unterschätzende Belastung darstellt, ist die Konfrontation mit dem Tod ganz besonders schwer erträglich: Zweimal mussten in Sprendlingen Wohnungstüren geöffnet werden, hinter denen schon seit Tagen oder Wochen Tote lagen. Ein Mensch war vom Zug überfahren worden und einer verstarb nach einer „Crash-Rettung“ bei einem Brand im zehnten Obergeschoss eines Hochhauses wenige Tage später im Krankenhaus.
Insgesamt waren es 3857 Stunden ihrer Freizeit, die die Dreieicher Feuerwehrleute bei den Einsätzen im vergangenen Jahr zum Schutze und zur Sicherheit der Bevölkerung geopfert haben. Das sind umgerechnet gut 160 Tage oder 5,7 Monate.
Andreas Baumbusch: „Wenn man sich diese Zahlen durch den Kopf gehen lässt, kann man sich eigentlich nur wundern, dass die Einsatzkräfte das so mitmachen. Man möge da auch mal an die Familien und Partner denken und daran, welche Einbußen die hinnehmen müssen - obwohl sie überhaupt nichts mit der Stadt zu tun haben.“
MaTi




