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28.10.2016 15:41 vor 1 Jahr(e)

Brand in Fachwerkhaus fordert vier Verletzte

Jahresabschlussübung der Feuerwehr Offenthal

Die Verletzten werden nach der Rettung an das DRK übergeben (joe)

Eine Leiter wurde in Position gebracht (links), zwei Atemschutztrupps auf dem Weg ins Gebäude (mitte), Gäste sind bei Übungen gerne gesehen (rechts). (joe)

Die Einsatzkräfte des DRK Dreieich und der Freiwilligen Feuerwehr Dreieich-Offenthal (joe)

 

Bei einem schweren Brand in einem historischen Fachwerkhaus im dreieicher Stadtteil Offenthal wurden vergangenen Donnerstag (27.10.) vier Bewohner erfolgreich durch die Feuerwehr gerettet und vom DRK Dreieich versorgt. Verletzt wurde zum Glück niemand, der Sachschaden beläuft sich laut Hauseigentümer auf null Euro - es war die Jahresabschlussübung der Feuerwehr Offenthal.

Alte Häuser halten für Feuerwehrleute ihre Tücken parat. Sie sind in der Regel anders aufgeteilt, als moderne Häuser, haben eine völlig andere Bausubstanz, mal höhere, mal niedrigere Decken, schiefe Böden, sie haben enge Treppenaufgänge, gerne auch mal einige Schwellen unterschiedlicher Höhe und sind meist über viele Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, über Generationen von Bewohnern gewachsen. Diese kleinen Eigenheiten stellen in der Regel für einen regulären Besucher kein Hindernis dar. Kommt aber die Feuerwehr einmal zu einem ungeplanten Besuch, so findet sie das Haus meist weit weniger gastlich vor – es ist verraucht, dunkel und heiß, offenes Atmen lebensgefährlich. Sieht man die Hand nicht vor Augen, wird eine alte Treppe zur Steilwand, eine Schwelle zur Klippe – jeder, der schon einmal unvorbereitet eine einzelne Stufe nach unten „ins Leere“ genommen hat, kennt das damit verbundene Gefühl des Unbehagens. So ist es denn auch hilfreich, einmal in einem alten Haus zu üben, wenn sich die Gelegenheit hierzu bietet.

 

Als die Feuerwehr mit ihrem Löschzug und das DRK Dreieich gegen 20:05 Uhr am Einsatzort eintreffen hat sich bereits eine Menschentraube auf der gegenüberliegenden Straßenseite versammelt. Aussagen von Anwohnern zu folge werden drei Personen vermisst, am Ende werden es vier sein.

Um 20:08 Uhr betritt der erste Angriffstrupp unter Atemschutz das total verqualmte Gebäude. Die Sicht ist null, in den Ohren dröhnt das schrille Piepsen eines Rauchmelders. Der Truppführer gibt die Richtung vor: links herum.

20:14 Uhr. Der erste Angriffstrupp schafft durch das Öffnen eines Fensters eine Abluftöffnung für Qualm und Rauchgase. Der Drucklüfter wird an der Haustür in Stellung gebracht, parallel dazu betritt der zweite Angriffstrupp das Gebäude.

Eine Minute später kann der erste Trupp, der nun über die Treppe hoch in das Obergeschoss vorgedrungen ist, dank Wärmebildkamera, die erste Person schnell ausfindig machen und die steile Treppe heruntertragen – mittels Bergetuch, für eine Trage wäre die Treppe zu schmal.

20:18 Uhr ist die erste Person aus dem Gebäude gerettet und wird an das DRK Dreieich übergeben. Ein dritter Trupp steht zur Sicherung der beiden anderen bereit. Der zweite Angriffstrupp meldet „Person gefunden“.

Der dritte Atemschutztrupp betritt das Gebäude, als um 20:21 Uhr die gerade aufgefundene Person aus dem Haus getragen wird. Eine Steckleiter wird von der Straßenseite her an das Fenster im Obergeschoss angestellt, um einen zweiten Rettungsweg herzustellen. Die dritte Person wird gefunden, sie ist drei Minuten später im Freien und wird ebenfalls an das DRK übergeben.

Bei weiterer Suche im Gebäude wird um 20:27 Uhr unverhofft eine vierte Person aufgefunden und von der Feuerwehr aus dem brennenden Altbau gerettet. Es wird weiterhin alles abgesucht, bis schließlich, im hintersten Raum, auch das Feuer gefunden ist und mit dem Löschvorgang begonnen werden kann.

Um 20:30 Uhr ist der Brand – er sieht einer blinkenden Warnleuchte zum Verwechseln ähnlich - niedergerungen und es kann mit den Nachlöscharbeiten begonnen werden. Noch einmal wird alles akribisch abgesucht, bis es dann um 20:41 Uhr über Funk lautet: „Wasser halt!“ – Die Übung ist für die Feuerwehr zu ende, das DRK wird noch einige Minuten damit beschäftigt sein, die teils schwer simulierten Brandverletzungen der geschminkten Mimen zu versorgen.

 

Die Übung hat gezeigt, dass, wieder einmal, die Zusammenarbeit zwischen DRK und Feuerwehr als reibungslos zu bezeichnen ist. Auch innerhalb der jeweiligen Mannschaft lief alles wie erhofft. Prioritär wurden erst alle verletzten Personen aus dem Gebäude gerettet und sich dann um die Brandbekämpfung gekümmert, wie es auch sein sollte. Berichten von Einsatzkräften zufolge war das Vorrücken ob der Bauweise des Übungsobjekts nicht ganz ohne Hindernisse, dennoch lief der Innenangriff, reibungslos ab. Der Stellvertretende Stadtbrandinspektor der Stadt Dreieich Markus Tillmann fand denn auch in seiner Manöverkritik nur lobende Worte für die Mannschaft aus Offenthal. Dem konnte sich Frank Müglich vom DRK Dreieich nur anschließen.

Im Anschluss an die Manöverkritik gab es für Mimen, Helfer, DRK und Feuerwehr in der Wache in Offenthal ein gemeinsames Abendessen für die rund 40 an der Übung Beteiligten.


(jbr)