• Root
  • Nachrichtenansicht

10.12.2016 15:56 vor 1 Jahr(e)

Nikolaus 2016

Feuerwehr-Nikolaus beschenkt Kinder in Offenthal

Wer selbst noch nicht viel sprechen kann, kommt auch mal um ein Gedicht herum (jbr)

Inhalt der Nikolaustüte 2016 (jbr)

Jedes Jahr am Abend des 6. Dezembers sind in Offenthal rot-weiß gekleidete Männer in Feuerwehrautos zu beobachten. Diese besuchen die Kinder der Mitglieder des örtlichen Feuerwehrvereins und bringen ihnen Geschenke. Ein persönlicher Erlebnisbericht:

Es ist 17:45 Uhr, 6. Dezember 2016, Nikolaus. Abermals schaue ich, meinen nichtsahnenden Sohn auf dem Arm, voller Vorfreude aus dem Fenster. Die Straße ist dunkel und leer. Er ist ja erst 15 Monate alt und kann sich an den ersten Besuch des gütigen, alten Mannes wohl nicht mehr erinnern. Letztes Jahr hatte er seelenruhig in den Armen von Alfred Köppen, damals "unser" Nikolaus, gelegen und auch von den Naschsachen nur wenig Notiz genommen. Er weiß also noch nichts von dem bevorstehenden Ereignis und ich frage mich, wie er es wohl aufnehmen wird. Ein erneuter Blick in die Nacht, immer noch kein Feuerwehrauto.

Es ist für die Familie, so ist es meine persönliche Meinung, wesentlich angenehmer, wenn der Nikolaus nicht aus der eigenen Familie - der Vater gar - rekrutiert wird. Es schafft eine größere Distanz und den damit verbundenen Respekt zu DER Respektsperson schlechthin, die der Nikolaus mit seinem Allwissen über die Taten der Kleinen in frühen Jahren darstellt. Und, nicht zu unterschätzen, es beseitigt das logistische Problem des Umziehens und ermöglicht es allen Angehörigen teilzunehmen. Zu guter letzt können auch die Erwachsenen eine gewisse Vorfreude aufbauen, wissen sie doch nicht genau, wann der Nikolaus kommt, wer ihn begleitet und wie alles ablaufen wird. Ist man selbst der eigene Nikolaus, ist man auch die Planung.

Ich beschäftige mich gerade mit der Einstellung der Kamera, nachdem ich mich oder besser uns vom Fenster lösen konnte, als ich das mir vertraute Geräusch eines Dieselmotors von der Straße her vernehme. Das Geräusch wird kontinuierlicher, monoton. Allem Anschein nach ist das Auto vor unserem Haus zum Stehen gekommen, wartet. Ich eile zum Fenster. Vor unserem Haus steht ein Bus der Feuerwehr, den gerade vier Personen in blauen Uniformen verlassen, gefolgt von einer weiteren Person in der unverkennbaren Gestalt des Nikolauses. "Da, schau, die Feuerwehr!" sage ich zu meinem Sohn, den ich mir auf dem Weg zum Fenster wieder geschnappt und auf meinen Arm gesetzt habe und füge noch nach: "Guck, da kommt auch der Nikolaus". Er zeigt lachend auf das Geschehnis: "Des?" - früh übt sich, wer Hesse werden will.

Während ich unserem Sohn noch, ich weiß nicht zum wievielten Male, erkläre, wer der Nikolaus ist und ihn an sein Buch mit dem Feuerwehrauto zu erinnern versuche, klingelt es bereits an der Tür. Zusammen mit der Frau Mama treffen wir an der Tür ein und begrüßen den kleinen Zug, der die Treppe erklimmt. Klar, selbst Mitglied bei der Einsatzabteilung, muss ich nicht lange rätseln, es ist Rainer Kündig, der in diesem Jahr als Nikolaus bei uns vorbeischaut. Wir freuen uns, alle lachen.

Große Kinderaugen empfangen den Nikolaus im Wohnzimmer. Auf dem kleinen Gesichtchen wechselt Freude mit Skepsis hin und her, im Millisekundentakt. Kurzer Blick zu Mama und Papa - es scheint alles in Ordnung zu sein, aber wer ist der große, rote Unbekannte mit dem Schaf im Gesicht? Als eine Papiertüte voller "Dinge" den Besitzer wechselt, ist das Eis gebrochen. Freude zeichnet sich von Ohr zu Ohr und mir fällt ein Stein vom Herzen: Er hat es gut aufgenommen und knurpselt bereits an einem Stück Spekulatius.

Ich schieße ein paar Fotos und frage die anwesenden Knechte nach ihrer Meinung zu einer Runde Schnaps - in einem anständigen Haushalt gehört sich das einfach - was diese dankend ablehnen. Die Zeiten ändern sich, dann gebe ich eben Wasser aus.

Nun nur noch ein Bild mit dem Sohnemann auf des Nikolaus' Arm, dann ist auch für die Verwandten in der Ferne alles geritzt. Hier aber scheiden sich die Geister von Vater und Sohn. Geschenke schön und gut aber das reicht in diesem Fall wohl nicht eine breite Vertrauensbasis zu schaffen, zumindest nicht breit genug, sich auf den Arm nehmen zu lassen. Wieder die Blicke zu den Eltern, die Lippen pressen sich verräterisch gekräuselt zusammen, die Augenbrauen heben sich auf drollige Weise an, das Gesicht gewinnt an Farbe, die Augen werden zunehmend feucht - ich denke, ja, ich habe genug Bilder für die Verwandtschaft.

Zum Abschluss gibt es dann doch noch ein Bild mit Nikolaus, wenn auch auf Papas Armen (unser Sohn, Rainer ist mir zu schwer). Wir bedanken uns herzlich bei allen Anwesenden und wünschen ihnen noch einen schönen Abend, als wir sie zur Tür geleiten. Als der Nikolaus samt Entourage wieder draußen sind, stehen wir beiden Männer wieder am Fenster. "Des?" kommt es von links an mein Ohr und ich beginne zu erklären, wer der Nikolaus ist, wer die Feuerwehr, und dass sie im nächsten Jahr wiederkommen.

  


(jbr)